Income Share Agreements – was steckt dahinter?
Income Share Agreements (ISA) - übersetzt mit dem etwas sperrigen deutschen Begriff Einkommensbeteiligungsvereinbarungen - sind eine relative junge und alternative Form der Studienfinanzierung, die sich vom traditionellen Studienkredit wesentlich unterscheidet.
Das Finanzierungsangebot basiert auf einem umgekehrten Generationenvertrag, bei dem Studierende finanzielle Unterstützung erhalten und im Gegenzug einen prozentualen Anteil ihres zukünftigen Einkommens über einen festgelegten Zeitraum an die Studierendenfördergesellschaft zahlen und so auch einer zukünftigen Generation von Studierenden diese Finanzierungsoption ermöglichen.
Wesentliche Punkte, die ein Income Share Agreement kennzeichnen:
1. Finanzierung während des Studiums:
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Flexible Fördersumme: Studierende entscheiden je nach individuellem Finanzierungsbedarf, ob sie Voll- oder eine Teilfinanzierung wählen.
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Verwendungszweck: Die Mittel werden meist für Studiengebühren, teils aber auch für Lebenshaltungskosten oder auch für ein Auslandsstudium verwendet.
2. Zahlung nach dem Studium:
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Einkommensabhängigkeit: Nach erfolgreichem Studienabschluss und Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit beginnt die Zahlung sobald ein vorher definiertes Mindestbruttoeinkommen erreicht wird (in den meisten Fällen 30.000€). Der zu zahlende Einkommensanteil liegt in der Regel zwischen 5% und 14% des jährlichen Bruttoeinkommens (abhängig von Höhe der Finanzierungssumme).
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Schutzmechanismen: Es gibt Zeitpuffer, die eine Aussetzung der Zahlung ermöglichen, beispielsweise während eines weiterführenden Studiums, Elternzeit oder einem Gap Year. Zudem gibt es eine Kappungsgrenze, die die maximale Zahlungssumme begrenzt.
Unterschiede zu traditionellen Studienkrediten:
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Zahlungsmodell: Im Gegensatz zu klassischen Krediten, bei denen feste monatliche Raten und Zinsen anfallen, orientiert sich die Zahlung beim ISA am tatsächlichen Einkommen. Diese erfolgsabhängige Zahlung sorgt für eine flexible und bedarfsgerechte Zahlung, die sich der individuellen Zahlungsfähigkeit anpasst.
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Gleichzeitig sind keinerlei Sicherheiten/Bürgschaften erforderlich, nur das individuelle Potential zählt.
Das Finanzierungsangebot fördert damit die Chancengleichheit und ermöglicht es Studierenden, sich auf ihr Studium zu konzentrieren, ohne sich übermäßig um die Finanzierung sorgen zu müssen. Gleichzeitig tragen sie durch ihre Zahlungen dazu bei, auch zukünftigen Generationen den Zugang zu Bildung zu erleichtern.
Besonderheit Finanzierung Studiengebühren mit ISA (samt K&A)
Der Kauf und die Abtretung (K&A) von Studiengebühren bei Income Share Agreements (ISAs) betreffen die Art und Weise, wie die Finanzierung durch die Vereinbarung strukturiert wird. Hier sind einige grundlegende Aspekte:
1. Kauf von Studiengebühren
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Beim Kauf von Studiengebühren über ein ISA-Modell entrichten nicht die Studierenden ihre Studiengebühren an die Hochschule. Stattdessen zahlt die Studierendenfördergesellschaft die Gebühren direkt an den Bildungspartner, der den Studiengebührenanspruch an die Studierendenfördergesellschaft abtritt. Der Studierende erhält eine sofortige Finanzierung des Studiums.
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Im Gegenzug verpflichtet sich der Studierende nach Abschluss des Programms einen prozentualen Anteil des zukünftigen Einkommens zu zahlen, typischerweise über einen im Zeitraum von 10 Jahren.
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Der Betrag, den die Studierenden zahlen, ist abhängig von ihrem Einkommen und wird als Prozentsatz ihres Einkommens festgelegt.
2. Abtretung der Studiengebühren
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Abtretung bezieht sich auf den Vorgang, bei dem das Recht auf Zahlung der Studiengebühren auf einen andere Institution (hier Studierendenfördergesellschaft) übertragen wird. Der Vorteil für die Hochschule liegt in der sofortigen Liquidität.
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Grundsätzlich können unter bestimmten Bedingungen sowohl privaten als auch institutionellen Investoren finanzielle Mittel für dieses Finanzierungsangebot gewähren. Die Investoren tragen dabei auch das Ausfallrisiko.
Warum ist die Abtretung von Interesse?
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Für Hochschulen/Bildungseinrichtungen: Die Bildungspartner können durch den Verkauf und die Abtretung ihrer Zahlungsansprüche sofort Geld erhalten, was ihnen hilft, die Kosten für das Bildungsangebot zu decken, ohne auf die langfristigen Zahlungen der Studierenden warten zu müssen (im Vergleich zum Stundungsmodell von Studiengebühren). Dadurch erweitert sich der Bewerberpool und das Modell trägt zu einer diversifizierten Studierendenschaft bei. Studium ist keine Frage des Geldes.
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Für Investoren: Die Abtretung von zukünftigen Zahlungen ermöglicht es Investoren, an den Erträgen von ISAs teilzuhaben. Dies bedeutet, dass Investoren eine Rendite auf ihr investiertes Kapital erhalten, indem sie das Risiko der Rückzahlung übernehmen.
Transparenz
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Bei der Abtretung von ISA-Forderungen bestehen klare Regelungen, um sicherzustellen, dass alle Parteien ihre Rechte und Pflichten kennen. Dies schließt insbesondere die Bedingungen der Zahlung und die Beteiligung von Dritten an den Zahlungen ein.
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Eine transparente Darstellung der Konditionen ist wichtig, um Missverständnisse zwischen den Studierenden, der Bildungseinrichtung und den Investoren zu vermeiden.
Fazit:
Der Kauf und die Abtretung von Studiengebühren im Rahmen von ISAs ermöglichen es Studierenden, eine Ausbildung zu finanzieren, ohne sofortige Studiengebühren zu zahlen, während sie nach ihrem Abschluss einen prozentualen Anteil ihres Einkommens zahlen. Diese Struktur hilft sowohl den Studierenden als auch den Bildungseinrichtungen.